Der Begriff “New Work” ist in aller Munde, wird aber oft als bloßes Schlagwort für Kickertische und kostenloses Obst missverstanden. Dabei beschreibt das Konzept, ursprünglich geprägt vom Sozialphilosophen Frithjof Bergmann, einen tiefgreifenden kulturellen Wandel. Es ist die Abkehr vom tayloristischen Weltbild, in dem der Mensch nur ein Rädchen im Getriebe ist, hin zu einer Arbeitswelt, die Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe in den Mittelpunkt stellt. In Deutschland trifft diese Philosophie auf traditionell starre Strukturen, was zu spannenden Reibungen und Innovationen führt.
Vertrauenskultur statt Kontrollwahn Das Herzstück von New Work ist der Wandel von der Präsenzkultur zur Ergebniskultur. In der alten Welt wurde Führung oft mit Kontrolle gleichgesetzt: Der Chef kontrolliert, ob der Mitarbeiter arbeitet. In der neuen Welt ist Führung eine Dienstleistung am Team. Hierarchien werden flacher, Entscheidungen werden dort getroffen, wo das Expertenwissen liegt, nicht dort, wo das höchste Gehalt gezahlt wird. Dies erfordert ein hohes Maß an Vertrauen. Modelle wie “Vertrauensarbeitszeit” und “Vertrauensurlaub” basieren auf der Annahme, dass Mitarbeiter intrinsisch motiviert sind und das Beste für das Unternehmen wollen, wenn man ihnen den Freiraum lässt.
Agilität und Fehlerkultur Ein weiterer Aspekt ist die Agilität. In einer Welt, die sich immer schneller dreht (VUCA-Welt: volatil, unsicher, komplex, mehrdeutig), sind starre Fünf-Jahres-Pläne nutzlos. Unternehmen müssen in kurzen Zyklen arbeiten, testen, scheitern und lernen. Dies erfordert eine neue Fehlerkultur. Fehler dürfen nicht bestraft werden, sondern müssen als Lernchancen begriffen werden. “Fail fast, fail cheap” ist das Motto. Dies fällt in der deutschen Perfektionskultur oft schwer, ist aber für Innovation unerlässlich.
Die neue Rolle des Büros Wenn Arbeit theoretisch von überall erledigt werden kann (Home Office, Co-Working-Space, Bahn), wozu braucht man dann noch ein Büro? Das Büro der Zukunft ist kein Ort der Abarbeitung mehr – das geht zu Hause oft ruhiger und besser. Das Büro wird zum sozialen Hub, zum “Lagerfeuer” des Unternehmens. Es ist der Ort für kreativen Austausch, für Workshops, für das Onboarding neuer Kollegen und für das soziale Miteinander, das den “Klebstoff” der Unternehmenskultur bildet. Die Architektur passt sich an: Weniger Einzelzellen, mehr offene Begegnungsflächen, Sofas und Projektraume. New Work ist kein fertiger Zustand, sondern ein ständiger Prozess der Anpassung an die Bedürfnisse der Menschen und des Marktes.